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Meine Zeit bei der Eintracht: Dragoslav Stepanovic

Foto: Eintracht Frankfurt

Foto: Eintracht Frankfurt

Aus dem Eintracht Echo Saison 2025/26 Ausgabe 13:

Sie haben die große Fußballwelt eine Rolle gespielt. Zu den 19 Vereinen, die Sie trainiert haben, gehört auch Eintracht Trier. Erinnern Sie sich noch daran?

Natürlich! Als ich gekommen bin in der Winterpause 1991 hatten wir sieben oder acht Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter Borussia Neunkirchen. Nur der Erste steigt auf, das war unser Ziel. Vor jedem Spiel haben wir uns gesagt: wir holen auf. Das haben wir gemacht, am Ende hat es leider nicht gereicht. Ich bin aber schon im April weg. Wenn ich geblieben wäre, hätten wir den Schwung mitgenommen und es geschafft – davon bin ich überzeugt!

In neun Spielen der drittklassigen Oberliga holten Sie mit der Mannschaft sieben Siege und zwei Unentschieden bei 22:6 Toren, trotzdem war plötzlich Schluss – warum?

Mein Ziel war die Bundesliga. Eines Tages hat mein ehemaliger Mitspieler Bernd Hölzenbein [zu dieser Zeit Manager bei der Eintracht; Anm. d. Red.] angerufen und mich gefragt, ob ich sofort Trainer werden möchte. Die Eintracht hatte kurz zuvor Jörg Berger entlassen. Am nächsten Tag haben wir uns am Riederwald getroffen, ich wurde Trainer in Frankfurt und habe die Ablöse noch selbst bezahlt, weil ich keine Klausel im Vertrag hatte.

Was für eine Mannschaft war das damals bei Eintracht Trier?

Die Mannschaft war gut genug besetzt, um den ersten Platz zu schaffen. Eddy Schmitt hat die Tore gemacht. Seine Entwicklung war unglaublich, in der zweiten Saisonhälfte hat er nochmal mehr Tore gemacht [insgesamt 36 Saisontore; Anm. d. Red.]. Später habe ich ihn zu Eintracht Frankfurt geholt. In Erinnerung ist mir aber noch ein Spieler einer gegnerischen Mannschaft geblieben: Jay-Jay Okocha. Er hat in Neunkirchen, beim Tabellenführer, gespielt. Ich habe gesehen, wie er aus 25 Metern geschossen hat und der Ball von der Betonmauer hinter dem Tor bis zur Mittellinie geflogen ist. Da habe ich später zu „Holz“ gesagt: Den müssen wir holen.

Nennen Sie uns bitte das schönste Ereignis Ihrer Spieler- und Ihrer Trainer Karriere?

Als Spieler zweifelsohne im Nationaltrikot beim letzten Länderspiel Pelés vor 138.000 Zuschauern in Brasilien. Es ging 2:2 aus, ich habe ein Tor vorbereitet. Wir wollten von Pelé eine Videokassette haben, das hat damals nicht geklappt. 2005 war er in Frankfurt. Ich habe es irgendwie geschafft, dass einer seiner Securitys mein Anliegen ausgerichtet hat und wir uns daraufhin kurz getroffen haben. „See you my friend“, sagte er zu mir im Steigenberger Hotel. Diese zwei Momente sind für mich unvergesslich. Während meiner Trainerkarriere sagte einmal meine Frau, die bei jedem Spiel dabei war: Es ist nicht die Frage, ob ihr gewinnt, sondern wie viele Tore ihr schießt. Das war die tolle Zeit bei Eintracht Frankfurt, als wir fast Deutscher Meister geworden sind und in meiner Mannschaft Spieler wie Bein, Möller, Binz, Weber und Stein waren. Mit dieser Mannschaft zu arbeiten, war grandios.

Hatten Sie als junger Spieler ein Vorbild oder Idol im internationalen Fußball?

Sehr viele. Aber alle aus Serbien, die kennt ihr nicht (lacht). Der Fußball war zu meiner Jugendzeit noch nicht so global. Als ich nach Deutschland zu Eintracht Frankfurt kam, kam ich in eine großartige Mannschaft mit den Weltmeistern Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein sowie Bernd Nickel und viele mehr.

Welcher Trainer hat Sie am meisten beeindruckt?

Partizan Belgrad war mein Lieblingsverein, als ich ungefähr 17 Jahre alt war. Ich war drei Tage zum Probetraining dort, hatte nicht genug Talent und bin vom Trainer weggeschickt worden. Dieser Trainer hat mich aber dennoch beeindruckt, weil er aus der Jugend so viele Spieler nach oben gebracht hat. Partizan stand 1966 im Endspiel gegen Real, verlor knapp mit 1:2. Fünf Spieler aus der eigenen Jugend gehörten zur Mannschaft, das hat mir imponiert.

Welche Verbindung haben Sie heute noch zum Fußball?

Ich bin Botschafter bei Eintracht Frankfurt, bin bei vielen Heimspielen da und nehme Aufgaben für den Verein wahr. Außerdem helfe ich in der Dieter Müller Fußballschule und bei der Privatschule Obermayr in Schwalbach. In den vergangenen Jahren sind wir immer nach Barcelona zu einem internationalen Turnier gereist, haben dort dreimal das Finale erreicht – und kürzlich mit der U11 endlich erstmals gewonnen. Ich habe früher nie mit der Jugend gearbeitet und jetzt entdeckt, wie viel Spaß das macht. Ich kann ihnen viel geben mit meiner Erfahrung und ihnen auf dem Weg nach oben helfen. Außerdem war ich sechs Jahre Trainer im Hessischen Behinderten- und Rehasport-Verband. Diese Freude und Leidenschaft, mit der die Jungs und Mädels das angehen, wie sie spielen und trainieren, ist unglaublich und gibt mir sehr viel. Ein tolles Gefühl! Das zeigt mir: wenn du gesund bist, musst du denen, denen es nicht ganz so gut geht, helfen. Wir sind sogar Deutscher Meister geworden.