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Last-Minute-Wahnsinn in Offenbach: König-Knaller beschert SVE ersten Auswärtssieg

Sie können es noch: Eintracht-Trier hat sein Spiel bei den Kickers Offenbach am Sonntagnachmittag mit 2:1 (1:0) gewonnen. Ein Last-Minute-Treffer von Sven König in der vierten Minute der Nachspielzeit bescherte den Blau-Schwarz-Weißen nicht nur den ersten Auswärtssieg der Saison, sondern dem Prall gefühlten Gästeblock im Stadion am Bieberer Berg auch die pure Ekstase. Durch die drei Punkte in Offenbach rückt der SVE nach 14 Spielen auf den siebten Tabellenplatz der Regionalliga Südwest vor.

Eintracht-Trier und Auswärtsspiele – das ist in der laufenden Regionalliga-Saison noch keine Liebesgeschichte. Während die Moselstädter auf heimischem Geläuf bereits sechs Siege verbuchen konnten, warteten sie auswärts noch auf den ersten Dreier. Dass sich das unbedingt ändern sollte, ließ der SVE die zahlreichen mitgereisten Anhänger aus Deutschlands ältester Stadt im Traditionsduell mit den Kickers aus Offenbach früh wissen.

Die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Klasen wirkte vor einer Top-Kulisse mit 6.198 Zuschauern hochkonzentriert und engagiert. Ähnlich sah das allerdings auch bei den Gastgebern aus. Folglich entwickelte sich ein Spiel, dass zwar aufgrund der hohen Intensität und Einsatzbereitschaft unterhaltsam, aber auch relativ chancenarm war. Früh müsste Klasen zudem den ersten Wechsel vornehmen, brachte Noah Awassi für den verletzten Henri Weigelt (21.). Auch danach blieb es aber dabei, dass die Partie sich überwiegend im Mittelfeld abspielte. Als im Stadion am Bieberer Berg alle schon in Richtung Halbzeitpause schielten, wurde es dann plötzlich doch noch einmal gefährlich: Auf der linken Angriffsseite der Eintracht zog der aufgerückte Kevin Heinz im Duell mit seinem Gegenspieler zur Grundlinie und löffelte den Ball dann wunderbar per Flanke auf den langen Pfosten. Dort lauerte Jannis Held und wuchtete den Ball per Kopf aus kürzester Distanz zum 0:1 in die Maschen (45.+1).

Nach dem Seitenwechsel knüpften beide Teams nahezu nahtlos an die erste Hälfte an. Die Partie blieb arm an klaren Torchancen, aber reich an Intensität. Erst nach einer knappe Stunde bekamen die Zuschauer beinahe wieder ein Highlight zu sehen: Tim Sausen eroberte gegen OFC-Kapitän Rossmann den Ball und zog Richtung Tor. Kurz vor dem Sechzehner wollte Sausen den mitgelaufenen Wähling in Szene setzten, traf den Ball beim Querpass-Versuch aber nicht richtig (58.). Die Eintracht hatte die Partie jetzt im Griff, Offenbach mühte sich vergeblich um Abschlussgelegenheiten. Dennoch kamen die Hausherren zum Ausgleich. Eine scharfe Hereingabe von links konnte Radomir Novakovic im Eintracht-Tor nicht festhalten, der nur Sekunden zuvor eingewechselte Jona Borsum spitzelte den Abpraller über die Linie (73.). Es war der vorsichtige Auftakt für eine irre Schlussphase, die in der 84. Minute so richtig ihren Anfang nahm.

Damjan Marceta, eine Viertelstunde vor Schluss für Wähling in die Partie gekommen, wurde im Strafraum der Kickers zu Fall gebracht – Schiedsrichter Roy Dingler entschied zum Unmut der Gastgeber auf Elfmeter. Sowohl Offenbachs Chefcoach Kristjan Glibo, als auch sein Co-Trainer Fabio Audia sahen nach heftigen Protesten vom Unparteiischen die rote Karte (85.). Und weil das Drama damit noch nicht perfekt war, scheiterte Marceta mit seinem Strafstoß auch noch am gut reagierenden Kickers-Schlussmann Johannes Brinkies (86.). Die große Chance auf den möglichen Siegtreffer konnte der SVE also nicht nutzen. Nur Sekunden nach dem vergebenen Elfmeter hätte SVE-Kapitän Maurice Wrusch beinahe doch noch den Treffer nachgelegt, fand nach tollem Solo am Fünfmeterraum mit seinem Querpass-Versuch aber keinen Mitspieler.

Doch wie schon in Durchgang Eins blieb Eintracht-Trier auch in der zweiten Hälfte bis zum Schluss am Ball – und sorgte in Person von Sven König tief in der Nachspielzeit doch noch für Ekstase unter den zahlreich mitgereisten Trierer Fans. Der 29-Jährige fasste sich aus halblinker Position ein Herz, zog mit viel Zug in Richtung Zentrum. Von dort donnerte König den Ball mit Hilfe des linken Innenpfostens zum späten 1:2-Siegtreffer in die Maschen (90.+4). Der Gästeblock explodierte förmlich, kurz danach war Schluss.

Durch den ersten Auswärtssieg der Saison und den ersten Erfolg auf dem Bieberer Berg seit 1987 rückt Eintracht-Trier nach dem 14. Spieltag mit 23 Zählern auf Tabellenplatz sieben der Regionalliga Südwest vor. Am kommenden Wochenende müssen die Blau-Schwarz-Weißen dann erneut auf fremdem Platz ran: Beim KSV Hessen Kassel wollen die Moselstädter am Samstag erneut punkten. Anstoß ist um 14 Uhr.

 

Kickers Offenbach: Brinkies – Breitenbach (62. Mustafa), Rossmann, Arh Cesen, Stellwagen (72. Borsum) – Karada, Marcos, Knothe – Staude, Barry (90.+8 Bah), Skolik

Eintracht-Trier: Novakovic – Rahn, Weigelt (21. Awassi), Wrusch, Heinz – Yavuz (75. Schuster), Spang – Held (75. Herber), Wähling (75. Marceta), König – Sausen (62. Sossah)

Tore: 0:1 Held (45.+1), 1:1 Borsum (73.), 1:2 König (90.+4)

Zuschauer: 6.198

Schiedsrichter: Roy Dingler

Besondere Vorkommnisse: Marceta verschießt Foulelfmeter (86.)