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Abgezocktes Freiberg siegt zu hoch – Eintracht verliert 1:4

Eintracht-Trier hat am gestrigen Samstagnachmittag das Heimspiel gegen den Tabellenführer SGV Freiberg vor 2.577 Zuschauern mit 1:4 (1:2) verloren. Nahezu alle Beteiligten waren sich nach Schlusspfiff einig: das Ergebnis, es fiel viel zu hoch aus. Sogar ein komplett anderer Ausgang erschien lange Zeit im Bereich des Möglichen.

Denn die Partie, die Cheftrainer Thomas Klasen später in der Pressekonferenz in „drei Drittel“ aufzuteilen wusste, begann im ersten Drittel aus Eintracht-Sicht furios. Nicht der Hauch einer Spur war davon zu sehen, dass mit den Gästen aus Baden-Württemberg die Mannschaft an die Mosel gereist war, die bislang durch die Regionalliga wie das berühmte warme Messer durch die Butter glitt. Die gefährlichen Aktivposten Kehl-Gómez, Köhl und Grobelnik? Komplett abgemeldet. Nicht nur das: die Eintracht presste hervorragend, eroberte ein ums andere Mal durch aktives Forechecking den Ballbesitz und erspielte sich einmal mehr erfolgversprechende Torgelegenheiten, die jedoch zunächst ungenutzt blieben (z. B. ein Kopfball von Biondic früh in der Anfangsphase). Der Druck auf die Gäste war enorm, die keine Luft zum Atmen bekamen. Der Lohn für diese Mühen, er sollte dann jedoch durch einen Strafstoß folgen: Abou Ballo zog Noah Herber regelwidrig, Schiedsrichter Schandry zeigte auf den Punkt, Marceta verwandelte souverän (19.).

Der Frust bei den Freibergern, er saß sichtlich tief. Die Spielweise „eklig“, viele Nickligkeiten teils am Rande der Legalität – oder darüber hinaus – bestimmten ihre Partie und zeigten, dass sie mit dem Spielverlauf alles andere als zufrieden waren. Der in den ersten zwanzig Minuten hierauf gut reagierende Schiedsrichter Schandry verlor jedoch mit zunehmender Spieldauer den Zugriff auf jene Aktionen, sodass sich immer mehr eine aufgeheizte Partie mit vielen gelben Karten entwickelte und auf dem Rasen und somit in der Folge auch auf den Rängen immer mehr die Luft brannte. Der Unparteiische muss sich hier den Vorwurf gefallen lassen, nicht konsequent die Aktionsweisen des SGV unterbunden zu haben.

Dennoch – die Wende im Spiel, der Beginn des „zweiten Drittels“, sie war von der Eintracht selbst verschuldet. Ein eigener Einwurf tief in der Hälfte der Württemberger landet direkt bei den Gästen, die binnen Sekunden vor Novakovic auftauchen und eiskalt zum 1:1 verwandeln (Leon Petö, 30.) – ein Treffer ohne wirkliche Torchance, der sich zudem als Wirkungstreffer herausstellen sollte. Noch vor der Pause gelang dem Team von Ex-Eintrachtler Kushtrim Lushtaku der Führungstreffer, als Marius Köhl einen von Radomir Novakovic eigentlich gut abgewehrten Distanzschuss aufnahm und zum Entsetzen der Zuschauer zum 1:2 verwandelte (42.). Das Halbzeitergebnis – ein Treppenwitz.

Nach der Pause und einem kräftigen Schütteln war die Partie ausgeglichener – und die Eintracht mit der Riesen-Chance zum Ausgleich, doch der hervorragend freigespielte Sven König scheiterte am Innenpfosten des SGV-Tores, welches wie vernagelt schien – Spiegelbild des Spieltages (59.).

Das „letzte Drittel“ zeigte dann, wie abgezockt und clever der SGV Freiberg agieren kann. Dass letztlich mit dem unglücklichen 1:3 durch ein Eigentor von Maurice Wrusch, der in die flache Hereingabe von Zié hereinlief (70.), auch noch parallel Keeper Novakovic aufgrund eines in dieser Situation passierten Zusammenpralls mit Kevin Heinz aufgrund einer Schulterverletzung ausgewechselt werden musste, passte dann schon wieder in das unglückliche Bild der Moselaner. Das 1:4 durch den kurz zuvor in einer aufreizend lange herausgezögerten und vom Schiedsrichter mit einer gelben Karte für Lushtaku geahndeten Wechselorgie in die Partie hereingekommenen Lokaj in der Nachspielzeit (90.+2) war dann nur noch Randnotiz.

Unter dem Strich verliert die Eintracht dadurch eine Begegnung, die sie in der ersten halben Stunde vollständig im Griff hatte und muss sich zumindest eingestehen, sich aufgrund individueller Fehler selber auf die Verlierer-Straße gebracht zu haben. Dennoch bleibt aufgrund des Auftretens einiger Beteiligter des SGV ein fader Beigeschmack, auch wenn man jene als „clever“ oder „abgezockt“ bezeichnen möge. Es passte jedoch ins Bild, dass Cheftrainer Lushtaku noch mitten während der Abmoderation der Pressekonferenz aufstand und diese stehend verfolgte. Ein unschönes Novum.

Eintracht-Trier: Novakovic (ab 73. Schmit) – Heinz, Laux (ab 75. Kinscher), Weigelt (ab 63. Sossah), Rahn (ab 63. Yavuz) – Spang, Wrusch, König, Herber – Biondic (ab 75. Dorow), Marceta.

SGV Freiberg: Grawe – Hetemaj, Schmidt, Bradara (ab 81. Kuranyi) – Laupheimer, Kehl-Gómez, Petö (ab 81. Girmann) – Ballo (1b 86. Engel), Köhl (ab 61. Sivic), Zié, Grobelnik (ab 81. Lokaj)

Tore: 1:0 Marceta (19./FE), 1:1 Petö (30.), 1:2 Köhl (42.), 1:3 Wrusch (70./ET), 1:4 Lokaj (90.+2).

Schiedsrichter: Vincent Schandry

Zuschauer: 2.577