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Vor der Mitgliederversammlung: Der Eintracht-Vorstand im Interview

Am Montagabend steht für Eintracht Trier eine richtungsweisende Mitgliederversammlung auf dem Plan. Bevor die Mitglieder am Montagabend selbst ihre Fragen stellen und über den Konzeptvorschlag entscheiden können, haben die Eintracht-Vorstände Roman Gottschalk und Dieter Friedrich noch einmal zu den wichtigsten Fragen Stellung bezogen.

Eintracht Trier hat in den vergangenen Wochen umfangreiche strukturelle und personelle Änderungen angekündigt. Wie genau sehen diese Änderungen aus und warum sind sie notwendig?

Friedrich: Wir haben ja schon im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung festgestellt, dass hier strukturelle Veränderungen stattfinden müssen. Als erste Reaktion darauf wurden die Arbeitsgruppen eingerichtet, die sehr erfolgreich arbeiten. Nun gilt es, den Vorstand auf eine breitere Basis zu stellen. Die zahlreichen Aufgaben sind zu zweit auf ehrenamtlicher Basis kaum zu bewältigen. Mit Horst Brand haben wir dafür jemand gewonnen, der absolut zu Eintracht Trier steht, viel sportliche Kompetenz mitbringt und in der Region gut vernetzt ist. Dazu kommt mit Helmut Meeth ein Mann, der gut zu uns passt, der mit anpacken und die Sache vorantreiben will. Der Aufsichtsrat, bzw. nach unserem Entwurf der Beirat, soll in Zukunft auch ganz eng mit dem Vorstand zusammenarbeiten und uns auch im operativen Bereich unterstützen. Wir glauben, mit diesem Konzept für die Zukunft sehr gut aufgestellt zu sein.

Welche Konsequenzen ergeben sich darauf für den sportlichen Bereich? Wie sieht sie kurz- und mittelfristige Planung aus?

Gottschalk: Wir haben jetzt eine ganz neue Situation. Durch die personellen Verstärkung durch Helmut Meeth, der im Übrigen nicht nur total fußballverrückt ist, sondern auch alles für den Verein geben wird, und Horst Brand, der eine echte Koryphäe hier bei der Eintracht ist, sind wir deutlich besser aufgestellt. Eine Sache ist klar: Wir wollen natürlich raus aus der Oberliga. Kurzfristig bedeutet das, dass wir attraktiven Fußball bieten und ganz oben mitspielen wollen.

Friedrich: Ergänzend dazu sei gesagt: Wir werden trotz aller Ambitionen keine verrückten Dinge tun und ganz gewiss nur das Geld ausgeben, was wir auch zur Verfügung haben. Das war in der Vergangenheit nicht immer so und hat nach Ansicht aller Beteiligten den Verein erst in die Lage gebracht, in der er heute ist. Wir sehen in einem soliden wirtschaften die einzige Chance, den Verein langfristig erfolgreich zu machen.

Sie haben die finanzielle Situation bereits angesprochen. Mit dem 30. Juni 2018 reduzieren sich die Verbindlichkeiten des Vereins um schätzungsweise 70 bis 80 Prozent. Wie kam dieser massive Schuldenabbau zustande?

Friedrich: Durch ganz viele intensive Gespräche mit den Gläubigern. Für alle, die den Aufbruch mit uns wagen wollen, war klar, dass es unter der derzeitigen Schuldenlast keine Perspektive für den Klub oder mögliche Geldgeber gibt. Dieses Szenario haben wir auch den Gläubigern so dargestellt. Deshalb brauchten wir auch den wirtschaftlichen Neuanfang. Wir sind sehr froh und sehr dankbar, dass die Gläubiger zum Wohle des Vereins diesem Ansatz nicht im Weg stehen wollen und auf ganz viel Geld verzichten. Damit haben wir auch bei der Suche nach Sponsoren wieder ganz neue Argumente auf unserer Seite.

Im Rahmen der zahlreichen Veränderungen wurde auch eine Kooperation mit der in Trier ansässigen Spielerberatung FSB verkündet. Viele Fans machen sich nun Sorgen, ob sich der Verein da nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis begibt. Wie begegnen Sie diesen Befürchtungen?

Gottschalk: Zunächst mal ist die Sorge der Fans bei so einer Nachricht generell nicht ganz unbegründet. Es gab zuletzt genügend Beispiele, in denen mächtige Agenturen Vereinen mit windigen Geschäftsmodellen nachhaltig geschadet haben. Ich möchte deshalb ausdrücklich betonen, dass das hier nicht der Fall ist. Es handelt sich um eine reine Kooperation ohne jedwede Abhängigkeiten. FSB verfügt im gesamten Südwesten über hervorragende Kontakte und Spieler, die für uns interessant sein können. Außerdem sind die handelnden Personen dort eng mit Eintracht Trier und der Stadt verbunden. Umgekehrt können wir als ambitionierter Traditionsverein vielen interessanten und talentierten jungen Spielern eine gute Entwicklungsperspektive bieten. Dabei ist aber auch klar, dass unser eigener Nachwuchs auch in Zukunft ein ganz zentraler Bestandteil unserer Planungen ist und im Zweifel immer an erster Stelle steht.

Man hat den Eindruck, dass durch die angekündigten Änderungen, die Rückkehr von Christoph Anton und die Verpflichtung von talentierten Spielern wie Maurice Roth ein bisschen Aufbruchsstimmung aufgekommen ist. Wie nehmen Sie das war?

Gottschalk: Ja, das nehmen wir auch so wahr. Man spürt es bei Gesprächen in der Stadt und bekommt dazu auch den ein oder anderen Anruf. Die Rückkehr von einem Trierer Eigengewächs wie Christoph Anton freut uns natürlich besonders, immerhin steht er symbolisch für genau die Art Spieler, mit denen wir in Zukunft erfolgreich sein wollen: In der Region ausgebildet, sympathisch und mit hoher Identifikation mit dem Verein. Unsere Planungen im Hinblick auf mögliche Neuzugänge sind auch noch nicht ganz abgeschlossen.

Zum Abschluss noch eine Frage zur Mitgliederumfrage: Wie haben Sie die Ergebnisse der Umfrage aufgenommen? Was nehmen Sie an Erkenntnissen mit?

Friedrich: Ganz grundsätzlich muss man sich da auch selbstkritisch eingestehen, dass die Mitglieder in den letzten Jahren etwas zu kurz gekommen sind. Das war ja auch der Grund für die Umfrage. Wir wollten wissen, wie die Mitglieder den Verein sehen und was sie sich wünschen würden. Da sind wir der Arbeitsgruppe Mitglieder zu großem Dank verpflichtet, die das so hervorragend umgesetzt hat. Die ausgewerteten Fragebögen haben viele tolle Ideen hervorgebracht, die wir nach und nach umsetzen wollen. Erst Ergebnisse lassen sich ja schon auf der Mitgliederversammlung sehen. Generell hoffe ich sehr, dass viele Mitglieder dort anwesend sind und ihre Meinung kund tun. Außerdem hoffe ich sehr, dass wir die Unterstützung für unsere Planungen erhalten und die Mitglieder von unseren Ideen überzeugen können.