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Sportstadt Trier: Chancen, Sorgen und Ziele

 

Der Spitzensport als Wirtschafts- und Standortfaktor: Dieses Thema stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung am Donnerstag Abend, zu der die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Trier, der Kreis junger Unternehmer sowie die Initiative Region Trier ins IHK-Tagungszentrum eingeladen hatten.

Rund 200 Gäste vor allem aus dem Sport und der Wirtschaft sorgten für ein „ausverkauftes Haus“, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer gleich zu Beginn seiner Begrüßung zufrieden feststellen konnte. Die Bedeutung des Spitzensports für Stadt und Region – eine hohe Ausstrahlungskraft kann sich nicht zuletzt positiv auf die Attraktivität von Firmen und für deren Beschäftigte auswirken –  sollte an diesem Abend unterstrichen werden.

Auch und vor allem ging es aber um Möglichkeiten, wie Unternehmen und Vereine noch enger zusammen finden, um so beidseitig im Rahmen von Win-win-Situationen davon zu profitieren. Networking war vor Ort möglich: Neben der TBB, DJK/MJC, der Eintracht und den Dolphins präsentierten sich an Contactpoints auch Vertreter der Bundesliga-Kegler vom KSV Riol, vom Ruderverein Treviris und vom Postsportverein – die beide schon seit vielen Jahren für die Förderung von nationalen und gar internationalen Spitzensportlern bekannt sind.

Einen beispielhaften Weg, was ein Sportverein in einer Region bewirken kann, zeigte Christian Heidel auf. Im 24. Jahr ist er bei Mainz 05 als Manager und Vorstand Sport tätig und hatte dabei maßgeblichen Anteil daran, dass sich der „Karnevalsverein“, wie der Klub einst mitleidig belächelt wurde, inzwischen bundesweit zu einer Marke und in der Landeshauptstadt zu einem millionenschweren Steuerzahlen und bedeutenden Arbeitgeber entwickelt hat. Vom letzten Tabellenplatz der Zweiten Liga rückte der FSV von 1995 an ins Fußball-Oberhaus und sogar in die Euro-League vor. Zudem hat der FSV dank cleverer Finanz- und Transferpolitik vor vier Jahren  mit der Coface-Arena ein neues Stadion einweihen können. Von den 55 Millionen Euro Kosten waren nur fünf Millionen Euro öffentliche Zuschüsse notwendig.

Nachhaltigkeit, Kreativität, Selbstironie wie im Falle des ins Positive umgewandelten Karnevalsvereins, aber auch der Mut zu unpopulären Entscheidungen: All´ das nannte Heidel als Faktoren für den Erfolg. „Natürlich hatten wir in einigen Momenten auch einfach Glück“, räumte der 05-Macher ein. Noch gut erinnert er sich an die gemeinsamen Duelle mit der Eintracht früher in der Oberliga und zuletzt  in den Zweitliga-Jahren 2002 bis ´04: „Trier war immer eine Fußballstadt, die Eintracht hatte früher mehr Zuschauer als wir. Ich bin immer ungern hier hin gefahren. Es war immer sehr schwer, hier zu punkten.“ Die Verantwortlichen des SVE ermutigte er: „Geben Sie nicht auf, gehen Sie Ihren individuellen Weg!“

„Einem Sponsor 15 Metern Bande zu verkaufen und eine Info auf die Homepage zu setzen, reicht nicht mehr aus. Es sind kreative Lösungen und richtige Konzepte gefragt“, unterstrich Eintracht-Geschäftsführer Jens Schug in einer von zwei, sich nach dem rund 70-minütigen Vortrag Heidels anschließenden Talkrunden.

Mit Schug diskutierten zum Thema „Sponsoring des Trierer Spitzensports“ gemeinsam mit Moderator Björn Pazen auch Silvia Günther, Geschäftsführerin der Druckerei Ensch und Inhaberin von „ensch-media“ aus Trier (ist mit ihrem Unternehmen einen anderen Weg gegangen und bringt sich mit Kreativleistungen bei den TBB-Bundesliga-Basketballern ein), Adolf Lorscheider (Geschäftsführer Peter Herres  Wein- und Sektkellerei), der betonte, dass man in der Region mangels vielen großen Sponsoren „aus vielen kleinen  Brötchen einen Teig machen sollte“. Auf die hohe Bedeutung des Sports wies Jürgen Brech, Geschäftsführer des Frauenhandball-Bundesligisten DJK/MJC Trier, hin: „Sport ist ein Stück Kulturgut der Stadt.“ Günter Ewertz vom Rollstuhlbasketball-Bundesligisten Goldmann Dolphins Trier freut sich zwar über einen Namenssponsor, blickte aber auch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: Ungeklärt ist aktuell, in welcher Halle man in der neuen Saison spielen kann und ob der Hauptsponsor weiter macht. Ein Unternehmen, mit dessen Namen man sich schmücken kann, hätte Sascha Beitzel, Vorstand der TBB, gerne. Er hofft auch und gerade in Trier auf noch mehr Identifikation mit dem heimischen Sport.

Das Label „Sportstadt Trier“ zu vermarkten, regte Marc Kowalinski von der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports an – und erntete dabei in der ersten Talkrunde („Die Bedeutung des Spitzensports für die Region als Wirtschafts- und Standortfaktor“) jede Menge Bereitschaft, sich an einen runden Tisch zu setzen, um Potenziale bei Firmen zu generieren, die sich losgelöst von einem einzelnen Verein vor Ort engagieren wollen. Gleichwohl warf Sascha Beitzel ein, dass man so etwas mit dem Luxemburger Vermarkter „Pyramid Sports“ bereits schon mal relativ erfolglos versucht habe. Zudem verkaufe man je nach Sportart „andere Emotionen“, wie SVE-Geschäftsführer Schug einwarf.

„Wir haben einen der niedrigsten Etat in der gesamten Regionalliga“, gab SVE-Vorstand Harry Thiele preis. Nur, wenn man diesen aufstocken könne, sei man auch in der Lage, wieder Richtung Dritte Liga blicken zu können. In diesem Zusammenhang ging er noch einmal auf ein Konzept ein, das man der Stadt schon vor einigen Jahren vorgelegt habe: Mit einem neuen, reinen Fußballstadion, das die Kommune kein Geld koste und fremd finanziert würde, sei man wesentlich besser in der Lage, wettbewerbsfähig zu sein. IHK-Präsident Peter Adrian ließ durchblicken, dass man ähnlich wie die Kollegen der Hwk, die eng mit den Miezen zusammen arbeiten und dabei auch Arbeitsplätze für Spielerinnen schaffen, auch bereit sei, solche Aktivitäten zu begleiten und mit zu initiieren.

Deutlich wurde in einer abschließenden Abfrage von Moderator Pazen, dass man sowohl bei TBB, wie auch den Miezen und den Dolphins mittelfristig froh wäre, den Status quo zu bewahren und damit weiter in der Erstklassigkeit vertreten zu sein. SVE-Geschäftsführer Schug hofft, dass „wir unser Konzept, vor allem auf einheimische Spieler zu setzen, in fünf Jahren greift und wir dann eine Etage höher in einer deutschlandweiten Liga vertreten sind. Hier könnte dann möglicherweise bei dem einen oder anderen Sponsor eine Tür aufgehen.“

Quelle: www.wochenspiegellive.de/trier/lokalsport

Bilder:

SVE-Vorstand Harry Thiele und Geschäftsführer Jens Schug in den Talkrunden.

Am Contactpoint standen Geschäftsstellenleiter Carsten Beicht und Praktikant Christopher Santos Rede und Antwort.

Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung tauschten sich Harry Thiele und Jens Schug mit Mainz-05-Manager Christian Heidel aus.

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