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Sportlich top, finanziell noch nicht (ganz) aus dem Schneider

Gerade einmal gut zwei Jahre sind es her, da war Kickers Offenbach finanziell scheinbar am Ende. Wie so oft in der wechselvollen Vereinsgeschichte – zwischen Liga eins und vier, zwischen DFB-Pokalsieg 1970 und Bundesliga-Skandal wenige Jahre später hat man am Main alles mitgemacht –  war mal wieder nicht richtig gewirtschaftet worden. Insolvenz, staatsanwaltliche Ermittlungen und Hausdurchsuchungen bestimmten Mitte 2012 das Szenario beim OFC – 14 Millionen Euro nannte der Hessische Rundfunk als Summe aller Forderungen.

Der Insolvenzplan sieht derweil vor, dass die Gläubiger 9,5 Prozent ihrer Ansprüche erstattet  bekommen. Sie und das Gericht haben bereits diesem Zahlungsplan zugestimmt. „Damit ist die gesunde Basis gelegt für zukünftigen sportlichen Erfolg bei gleichzeitig vernünftigem sportlichem Handeln“, wird Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt im Saarländischen Magazin „Forum“ zitiert. Das Insolvenzverfahren könnte so bald abgeschlossen sein, finanziell sieht es aber beileibe noch nicht rosig aus. Laut Informationen der „Offenbach Post“ haben sich bei der Fußball-GmbH des OFC drei Millionen Euro Verbindlichkeiten angehäuft, die allerdings bis kommendes Jahr gestundet seien.

Der Klub weist indes moderne Strukturen auf – auch ein Zeichen für eine positive Perspektive. 2010 bereits wurde die Profiabteilung ausgegliedert. 2012 wurde die neue Sparda-Bank-Hessen-Arena mit 20500 Plätze eingeweiht. 800 VIP-Plätze, zehn  Logen, dazu eine Ausbaureserve bieten Möglichkeiten, von denen andere Klubs wie etwa auch der SV Eintracht Trier 05 nur träumen können.

Zurück zum Sportlichen: Die mannschaftliche Geschlossenheit ist das große Pfund, mit dem der OFC derzeit wuchern kann. „Es gibt kaum mal jemanden, der aus dem Kollektiv herausfällt, aber meist einen, der über den Dingen steht“, schrieb die Frankfurter Rundschau unlängst.

Trainer Rico Schmitts Weg scheint der richtige zu sein: Er vertraute auf seine Spieler, auch als diese enormen Schwankungen unterlegen waren. Er war der festen Überzeugung, dass sein Kollektiv im Sommer einen gewaltigen Leistungssprung machen würde. Dazu ist es nun gekommen. Der Verein steht inzwischen auf Platz eins, zuletzt wurde der SV Waldhof Mannheim vor  9529 Zuschauern mit 1:0 besiegt. Stolze 32 Punkte hat der OFC aus den bisherigen 13 Partien gesammelt – und ist nach dem Erstrundensieg über den aktuellen Zweitliga-Spitzenreiter FC 04 Ingolstadt (4:2 im Elfmeterschießen) auch noch im DFB-Pokal vertreten. Hier geht´s am kommenden Dienstag, 19 Uhr, nun gegen den Zweitligisten Karlsruher SC um den Einzug ins Achtelfinale.

Das Wort „Aufstieg“ nimmt indes trotz aller Erfolge niemand auf dem Bieberer Berg in den Mund, man will die Fehler der Vergangenheit vermeiden, die Ansprüche nicht ins Unermessliche steigen lassen. „Momentan“, sagte Schmitt nach dem 1:1 im jüngsten Auswärtsmatch in Saarbrücken ausweichend, „sind wir genau 29 Punkte wert.“ Inzwischen sind es zwar drei mehr, offensiver wird Schmitt die Ziele aber noch nicht formulieren. Noch…

 

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