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Neuer Trainer verspricht Powerfußball

wappen_FC08Homburg

 

Erstmals seit 22 Jahren konnte am 22. Mai beim FC 08 Homburg wieder ein Aufstieg bejubelt werden: 3250 Zuschauer feierten ausgelassen, nachdem die Grün-Weißen die SpVgg Eintracht Glas-Chemie Wirges mit 3:1 bezwungen und damit den Sprung in die Regionalliga perfekt gemacht hatten. Dabei war der FCH unter Coach Jens Kiefer, der sich zwischenzeitlich der SV Elversberg angeschlossen hat und dort als Jugendkoordinator und Trainer im Nachwuchsbereich arbeitet, schwach in die Saison gestartet und fand sich nach vier sieglosen Spielen zu Beginn sogar am Tabellenende der Oberliga wieder.

13 ungeschlagene Partien in Serie brachten den FCH aber zurück in die Spur. Auffallend besonders die Stärke auf fremden Plätzen. Neun Mal wurde in der Fremde gewonnen, vier Mal remis gespielt und nur vier Mal verloren.

„Ich hatte hier ein super Team, das richtig charakterstark war. Vor zwei Jahren war ich in Homburg angetreten, um den FCH aus der Oberliga zu führen. Eigentlich hatten wir drei Jahre dafür veranschlagt. Nun haben wir es bereits im zweiten Jahr geschafft – nachdem wir in der ersten Saison bereits Vizemeister hinter dem 1. FC Saarbrücken geworden sind. Was will man mehr erreichen?“, bilanzierte Coach Kiefer seine Amtszeit.

Schattenseite des Erfolgs war ganz offenbar eine gewisse Uneinigkeit bei der Nachfolgeregelung für Kiefer. Nach Darstellung der „Saarbrücker Zeitung“ hatte der langjährige Vorsitzende Herbert Eder Uwe Hartenberger als neuen Übungsleiter favorisiert.

Nach SZ-Informationen wurde die Verpflichtung durch Teile des Aufsichtsrates gekippt. Es soll gedroht worden sein, dass ein Sponsor den Geldhahn zudreht. Aus gleicher Ecke soll Wunschkandidat Alfred Kaminski installiert worden sein. In der Folge traten Eder und weitere Vorstandskollegen zurück.

Der 46-jährige Norddeutsche Kaminski ist bereits seit 25. März sportlicher Leiter beim FCH. Die gleiche Position bekleidete er zuvor in Elversberg. Beim 1. FC Saarbrücken war Kaminski davor in verschiedenen Funktionen (Chef-, U23- und Co-Trainer) tätig.

Zur neuen Saison hat Kaminski Kader und Trainerteam kräftig umgekrempelt. Der neue Kader setzt sich überwiegend aus Regional- und Oberliga erfahrenen Akteuren zusammen. Unter den 16 Neuen befindet sich auch Tim Schwartz (23, SVN Zweibrücken), der im Winter eigentlich schon mit dem SV Eintracht Trier 05 einig war, dem dann aber ein Kreuzbandriss einen Strich durch die Rechnung machte.

„Wir werden Vollgas geben und Powerfußball spielen. Ich erwarte von meinen Spielern Engagement und Lernbereitschaft. Der Klassenverbleib wäre in dieser Saison einem Aufstieg gleichzusetzen“, betont Kaminski, der künftig von Taifour Diane assistiert wird. Als Mittelstürmer verpasste dieser 1997/98 mit dem FCH nur knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga, auch für den FCS, Alemannia Aachen, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und Elversberg war er als Profi tätig.

Mit dem Aufstieg kehrt der FCH 08 endlich wieder auf die (zumindest halbwegs) größere Fußballbühne zurück. Dieser hatte man von den siebziger bis in die neunziger Jahre dauerhaft angehört: 1977 bezwang der FCH im DFB-Pokal den Weltpokalsieger FC Bayern München  zu Hause mit 3:1. 1986 schaffte der FCH zum ersten Mal den Aufstieg in die Bundesliga. In der ersten Saison wurde der Abstieg noch knapp in der Relegationgegen den FC St. Pauli vermieden, nach der zweiten Saison musste der FCH als Vorletzter jedoch wieder absteigen. Dem unmittelbaren Wiederaufstieg folgte dann der erneute Abstieg, so dass die Saison 1989/90 die vorerst letzte Saison in der Fußball-Bundesliga war.

1995 verabschiedete sich der FCH bis auf Weiteres aus dem Profifußball. Als 17. der Zweiten Bundesliga stieg der Verein in die Regionalliga West/Südwest ab. In der Saison 1995/96 sorgte der FCH nochmals im DFB-Pokal für Furore. Nach Siegen gegen den FC St. Paul, SV Sandhausen und TSV 1860 München scheiterte die Mannschaft im Viertelfinale im ausverkauften Waldstadion 3:4 nach Verlängerung gegen den späteren Titelträger 1. FC Kaiserslautern.

Nachdem der Wiederaufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga zweimal knapp verpasst worden war, schloss der FCH 1998 einen Kooperationsvertrag mit dem Nachbarverein und Rivalen 1. FC Saarbrücken, wonach die besten Spieler von Homburg nach Saarbrücken abgegeben werden mussten. Wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten und nach Insolvenz wurde der FCH nach der Saison 1998/99 in die Oberliga Südwest  zwangsversetzt. Seit 1999 spielte der FCH ununterbrochen in der ab der Saison 2008/09 nur noch fünftklassigen Oberliga – ehe das 3:1 über Wirges Ende Mai die  – zumindest vorläufige –  Wende zum Guten war.

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