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"Lust und Motivation hoch"

Zur aktuellen Lage beim SV Eintracht Trier 05 äußert sich Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi im Interview mit www.eintracht-trier.com. Hier äußert er sich zur prekären sportlichen  Situation, aber auch zu den Planungen und Geschehnissen hinter den Kulissen. 

 

Am Freitag geht es am drittletzten Regionalliga-Spieltag ab 19 Uhr gegen den VfL Bochum II. Der SVE geht als Schlusslicht in die Partie. Was ist noch zu erwarten?

 

Bedingungsloser Kampf. Noch besteht die theoretische Chance, einen Nichtabstiegsplatz zu erreichen. Und – wer weiß: Vielleicht reichen ja schon der 16. oder 17. Rang nachher zum Klassenverbleib. Beim Thema Lizenzentzüge kann es immer Überraschungen geben. Es wäre deshalb fahrlässig, jetzt schon alles abzuschenken. In jedem Fall gilt es, die Spannung bis zum Finale um den Bitburger-Rheinlandpokal am 2. Juni in Emmelshausen gegen Burgbrohl hochzuhalten.

 

Die Eintracht hat vom DFB die Lizenz unter Auflagen erhalten. Wie hoch sind hier die Hürden, die es bis spätestens 4. Juni zu überspringen gilt?

 

Sie sind absolut machbar. Der Bescheid vom DFB belegt, dass wir in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht sauber und gewissenhaft gearbeitet haben. In technisch-organisatorischer Hinsicht fehlen noch ein paar Unterschriften, was zum Beispiel die Leistungsfähigkeit des Flutlichts angeht. In punkto Wirtschaftlichkeit müssen wir noch ein paar Werbeverträge nachreichen. Auch das wird uns bis Anfang Juni gelingen.

 

Wie sind die Eckdaten für eine weitere Saison in der Regionalliga?

 

Unser Gesamtbudget läge bei rund 1,5 Millionen Euro, also etwa 20 Prozent weniger als in dieser Saison. Einige Abgänge von Spielern, die ihre Leistung nicht gebracht haben, wären auch hier unumgänglich. Denen, die wir halten wollen, könnten wir aber schon adäquate Angebote vorlegen.

 

Parallel dazu laufen die Planungen für die Oberliga…

 

Uns bleibt als Vorstand, der die Hauptverantwortung trägt, nichts anderes übrig, als zweigleisig zu planen. Wir müssen für den Fall des Abstieges gerüstet sein.

 

 

Wie schwer wäre für die Eintracht der Gang in die Fünftklassigkeit?

 

Es wäre sehr bedauernswert – so tief hat unser Verein mit seiner ersten Mannschaft in seiner 105-jährigen Geschichte ja noch nie gespielt. Doch wir müssen einen Abstieg auch als sportliche Chance sehen. Fakt ist, dass wir den direkten Wiederaufstieg anpeilen würden. Saarbrücken hat uns im vergangenen Jahr vorgemacht, wie man sich in der Oberliga durchsetzen kann.

 

Eine starke Mannschaft aufzubieten, kostet eine Stange Geld…

 

Wir hoffen auf einen Gesamtetat von knapp einer Million Euro. Damit ließe sich schon einiges bewerkstelligen, hätte aber zwangsläufig Kürzungen in allen Bereichen zur Folge.  Noch sind wir vom anvisierten Budget aber ein gutes Stück entfernt. Vorgespräche mit Sponsoren laufen. Wir setzen darauf, dass die Unternehmer mit uns das Ding durchziehen.

 

Sie sind seit vier Jahren als Vorstandsmitglied im Amt und haben in dieser Zeit schon einige stürmische Phasen durchlebt. Wie groß ist die Lust, bei einem möglichen Abstieg noch einmal anzugreifen?

 

Bei mir und meinen Vorstandskollegen Harry Thiele und Roman Gottschalk sind die Lust und die Motivation hoch. Es ist unser Verein, dem wir schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten als Anhänger, Mitglied, Sponsor und eben jetzt als Vorstandsmitglied verbunden sind. Wir versuchen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Alle, die dabei mithelfen und möglicherweise mit in die Verantwortung möchten, sind herzlich zum Dialog eingeladen. Konstruktive Ratschläge und Hilfe sind uns immer willkommen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das offene und ernst gemeinte Wort. Anonyme Einträge in Internet-Foren sind da ebenso wenig hilfreich oder gar kontraproduktiv, wie etwa Gerüchte, die durch die Stadt kursieren. Auch Fanproteste im Stadion, wie sie offenbar von einer Fangruppe am Freitag gegen Bochum II geplant sind, schaden letztlich nur – und zwar dem Gesamtverein und der Mannschaft, die noch einmal alles geben will und muss, damit wir den Funken Hoffnung noch haben.

 

Was lief gut, was lief schlecht in den letzten Jahren?

 

Auch wir als Vorstand stehen dafür in der Verantwortung, dass es soweit gekommen ist. Da möchte ich gar nicht um den heißen Brei herumreden. Im Spätherbst war vieles noch gut, aus Sicht einiger Schulterklopfer im Umfeld, von denen jetzt meilenweit nichts mehr zu sehen ist, sogar super. Im Nachhinein muss man sicher sagen, wir hätten Entscheidungen im sportlichen Bereich früher treffen müssen. Aber einen Beweis dafür, es anders besser gemacht zu haben, gibt es nicht. Die gute Wintervorbereitung hatte uns zuversichtlich gemacht, das 0:3 gegen Düsseldorf II war ein kaum für möglich gehaltener Tiefschlag und die bis zum heutigen Tag wohl neben dem 0:2 in Worms schwächste Saisonleistung. Danach ist die Mannschaft in einen Strudel geraten, der immer schneller wurde. Oft reichten schon mäßige Spiele in dieser ausgeglichenen und sicher nicht schwachen Liga, um zu verlieren.

Positiv muss man herausheben, dass der SV Eintracht Trier 05 auf wirtschaftlich gesunden Füßen steht. Wir haben so gut wie keine Schulden, die Löhne werden stets pünktlich bezahlt. Das schafft in der Regionalliga noch lange nicht jeder Klub. Wir haben keinen einzigen Sponsor, der pro Jahr ein paar hunderttausend Euro locker macht. Unsere Basis sind viele, aber zum Teil doch eher mittlere und kleine Geldgeber.

Es muss und wird also beim SVE weiter gehen – egal, ob in der Regional- oder in der Oberliga.

 

Im Bild von links: Harry Thiele, Ernst Wilhelmi, Roman Gottschalk

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