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„Eintracht Trier ist ein Verein mit großem Potential“ – Eintracht-Chefcoach Paulus im Interview

Am heutigen Montag startet Eintracht Trier in die Vorbereitung auf die am 17. Februar beginnende Schlussphase der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Dazu hat sich SVE-Chefcoach Daniel Paulus die Zeit genommen, auf die erste Halbserie zurückzublicken und gleichzeitig den Plan für die kommenden Wochen zu skizzieren. Auch den ein oder anderen persönlichen Einblick gewährt der 38-Jährige.

Pauli, du bist jetzt ein gutes halbes Jahr Cheftrainer der ersten Mannschaft von Eintracht Trier. Wie fällt da dein Fazit aus?

Durchweg positiv. Ich bin im Sommer angetreten, als der Verein nach dem bitteren Abstieg einen Tiefpunkt erreicht hatte. Die Anfangsphase war deshalb ein bisschen stressig, da mussten wir in kürzester Zeit einen ganz neuen Kader zusammenstellen. Es ist uns dann aber schnell gelungen, aus den vielen Neuzugängen eine Einheit zu formen, die mit viel Leidenschaft für Eintracht Trier spielt. Genau das war auch mein erstes Ziel. Identifikation mit dem Verein halte ich für ganz, ganz wichtig. Die Zuschauer müssen merken, was für ein Teamcharakter in der Mannschaft steckt. Mit der richtigen Mentalität kann man in bestimmten Situationen auch mal den ein oder anderen spielerischen Mangel kaschieren. 

Wir hatten zunächst etwas mit Startschwierigkeiten zu kämpfen, da haben wir sicher den ein oder anderen Punkt liegen lassen. Im Laufe der Runde haben wir uns aber dann stabilisiert und konnten die positive Entwicklung mit sieben Siegen in Serie krönen.

Woran werdet ihr in der Rückrunde trotz der guten Resultate noch arbeiten müssen?

Ein Manko war für mich die Chancenauswertung. Es gab einige Spiele, die wir deutlich früher hätten entscheiden können. Das ist für mich ganz eindeutig noch ein Punkt. Gleichzeitig hat jeder die gute Entwicklung gesehen, die wir gemacht haben. Die jungen Spieler haben sich enorm gesteigert, alle sind auf ihre Einsatzzeiten gekommen und haben dabei einen guten Eindruck hinterlassen. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Hattest du deiner Mannschaft eine solche Entwicklung schon zugetraut?

Man hat schon irgendwie die Hoffnung, das sowas eintritt. Es ist für uns ein Beweis dafür, dass wir viel richtig gemacht haben. Das betrifft allerdings nicht nur uns Trainer, sondern auch die Spieler. Sie ziehen hervorragend mit und saugen alles auf, was man ihnen mitgibt.

Dein persönliches Jahr verlief hervorragend: Erst die großen Erfolge mit der U19 in der vergangenen Saison und dann die starke Hinrunde mit der ersten Mannschaft. Wie würdest du persönlich Bilanz ziehen?

Natürlich war die Spielzeit mit der U19 ein ganz besonderes Jahr. Und auch, dass es jetzt mit der ersten Mannschaft ähnlich gut läuft, ist großartig für mich. Ich möchte mich allerdings da nur ungern in den Vordergrund stellen. Ich war schon als Spieler ein Teamplayer und bin das auch jetzt noch. Die Spieler, das Trainerteam, der Vorstand und die Geschäftsführung ziehen alle an einem Strang und haben deshalb alle ihren Anteil an der aktuellen Situation. Ohne diesen Zusammenhalt und die viele Arbeit hätten wir das nicht schaffen können.

Nach deiner ersten Cheftrainer-Position bei Borussia Neunkirchen in der Saison 14/15 ist der SVE erst deine zweite Station im Herrenbeich. Wo hast du dich verändert und was machst du heute anders, als damals?

Man weiß besser mit kritischen Phasen und Situationen umzugehen. Das bringt die Erfahrung mit sich, man bleibt ruhiger und weiß sich zu helfen. Ansonsten muss man sicher immer weiterbilden, Fortbildungen machen. Man muss auch schauen, was im „großen“ Fußball gemacht wird und das auf unsere Verhältnisse übertragen. Das mache ich immer. Immer am Ball bleiben. Neue Inputs, neue Ideen, auch im Training Dinge ausprobieren. Darauf kommt es an.

Du hast – ebenso wie Rudi und Hämmer – kürzlich deinen Vertrag bis 2019 verlängert. Warum?

Hauptbeweggrund war, dass es mir hier einfach sehr gut gefällt. Eintracht Trier ist ein Verein mit großem Potential. Für mich gab es eigentlich keinen Grund, nicht zu verlängern. Wir haben im Sommer eine Mission begonnen, die wir nun gemeinsam erfolgreich fortsetzen wollen.

Morgen startet die Vorbereitung: Wie sieht der Plan aus?

Wir hatten jetzt vier Wochen Pause. Und ganz ehrlich: Die war auch notwendig. In der Schlussphase des vergangenen Jahres waren wir alle ziemlich am Limit. Aber ich habe den Eindruck, dass die Jungs sich gut erholt haben und darauf brennen, dass es wieder losgeht. Auch ich konnte wieder etwas Kraft schöpfen und freue mich wahnsinnig.

Wir starten jetzt und legen direkt unseren Fokus auf das wichtige Salmrohr-Spiel im Februar. Der Vorbereitungsplan sieht vor, dass wir in den ersten drei Wochen intensiv an unserer Fitness arbeiten, um ein gutes Fundament für den Rest der Saison zu legen. Parallel dazu bestreiten wir frühzeitig einige Testspiele, wo jeder von den Jungs die Möglichkeit bekommen wird, sich für die Rückrunde zu empfehlen.

Und dann sind wir auch ganz flott schon im Februar und gehen auf den Endspurt zu. Wir wollen die Zeit nutzen, um uns weiterzuentwickeln. Und natürlich auch, um die Kaderplanung für die kommende Saison frühzeitig voranzutreiben.

Beim Blick auf den Vorbereitungsplan fällt auf: Die Testspielgegner haben es in sich…

Das hab ich bewusst so gewählt. Es nützt nichts, gegen schwächere Teams zu spielen. Die Jungs müssen gefordert werden, um sich zu entwickeln. Es fehlt ihnen aktuell noch einiges, wenn es gegen Top-Teams geht – das hat man beispielsweise gegen Pirmasens und Koblenz gesehen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir in den Testspielen mal verlieren: Wir können aus den Fehlern nur lernen.

Mit Lyras, Saim und Tsakirakis haben drei Spieler den Verein seit November verlassen. Welche News gibt es in Sachen Neuzugänge?

Bis jetzt hat sich da nicht viel getan. Wir haben es aber schon mal gesagt: Wir müssen nichts machen, der Kader hat bereits die nötige Tiefe. Wenn sich etwas ergibt, werden wir uns das anschauen, aber es gibt keine Schnellschüsse. Wenn wir noch jemand dazu holen, dann immer auch mit Perspektive für die kommende Saison.